Reisen im öffentlichen Verkehr

Olivier Maridor ist blind und oft unterwegs – vor allem mit dem öffentlichen Verkehr. Denn für ihn bedeutet das Selbständigkeit und Autonomie. Er erzählt, warum der Reiseplanung grosse Wichtigkeit zukommt und dass es nicht nur beim Ein- und Aussteigen in die öffentlichen Verkehrsmittel Hindernisse gibt.

Olivier ist oft mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs. Er erzählt: «Wenn ich zur Arbeit fahre, kenne ich die Strecke in- und auswendig. Aber bei ungewohnten Wegen wird die Vorbereitung zum Schlüssel.» Olivier hebt die Wichtigkeit der Reisevorbereitung hervor: «Ich stöbere im Internet nach Fahrplänen, suche nach Strecken in Apps oder rufe an. Die Website der SBB ist dabei meine erste Anlaufstelle.» Und schon bei der Vorbereitung gilt für Olivier: Es muss alles durchgängig barrierefrei sein – von der Online-Recherche bis zum Ticketkauf in der App. «Das nennt sich die sogenannte Führungskette. Fehlt zum Beispiel ein für mich bedeutender Alternativtext eines Bildes auf einer Website, kann mir der Screenreader die Information nicht vorlesen. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass ich zum Beispiel online kein Ticket kaufen kann. Dieser fehlende Alternativtext zerstört in diesem Moment meinen ganzen Kaufvorgang und ich stehe wieder am Anfang. Die nicht vorhandene Barrierefreiheit im Web kann meine Reise dementsprechend genauso behindern wie eine falsche Abfahrtszeit.»

Olivier Maridor steht mit Blindenstock an einer Tramhaltestelle.
Bild: SBV-FSA Rafael Bornatico
"Der öffentliche Verkehr ist für Olivier ein Symbol der Selbstbestimmung auf seinen vielen Wegen."
Olivier Maridor

Wenn das Ticket dann gekauft ist, geht es weiter zur Haltestelle. Olivier betont: «Hier wird's knifflig. Wo finde ich den richtigen Zug? Gibt es einen Fahrplan mit Sprachausgabe? Ein Monitor in meiner Augenhöhe wäre genial. Und Infoschalter, die schnell erreichbar sind.» Im Zug navigiert Olivier durch klare Signaletik: «Ich möchte zum Beispiel wissen, wo sich das WC im Zug befindet. Und nach dem Gang zur Toilette natürlich, wo sich das Lavabo und die Seife sind. Da hilft mir die vorhandene Relief- und/oder Braille-Schrift.»

Nach der Ankunft muss sich Olivier erstmal orientieren: «Wo geht's jetzt weiter? Ist die Führungskette noch intakt? Durchgängige Informationen und Hilfen sind für mich bis zur allerletzten Stelle der Reisewichtig. Wenn ich nach meiner Ankunft zum Beispiel auf ein Taxi angewiesen bin, muss ich schon vorher wissen, wie ich es finde.»

Eine weitere Herausforderung: «Umstiege sind heikel. Vom Zug auf den Bus, Bus aufs Schiff – das ist kompliziert. Assistenzhilfen gibt es nur in wenigen Bahnhöfen, und das auch nur auf freiwilliger Basis. Ich fände es enorm wichtig, dass dieses Angebot ausgebaut werden würde.»

Der öffentliche Verkehr ist für Olivier ein Symbol der Selbstbestimmung auf seinen vielen Wegen. In jeder Etappe seiner Reise, von der Vorbereitung über die Umstiege bis zum Zielort, zeigt sich, dass Barrierefreiheit nicht nur ein Komfort, sondern eine Grundvoraussetzung für seine Autonomie ist. «Die Führungskette, von der Planung bis zur Ankunft, ist nicht nur im Reiseverkehr, sondern in jeder Etappe und Aktivität meines Lebens von entscheidender Bedeutung. Ein Mangel an Informationen und Barrierefreiheit ist nicht nur eine Hürde – es bedeutet im schlimmsten Fall, dass ich mitten auf der Strecke einfach nicht mehr weiterkomme.»

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